Wege der Ganzwerdung

Einfachheit ist das größte Wunder

Reiki-TuchÜber Einfachheit braucht sich
niemand zu wundern. Aber einfach zu sein ist ein großes Wunder.
Mit Witz und Ironie erzählt Krishna Kloers von einigen der
zahlreichen Erscheinungen, bei denen Reiki nicht mehr einfach ist.
Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht im "DAO Sonderheft 2
Reiki" im August 1996. Da das angesprochene Thema weiterhin aktuell ist,
entschlossen wir uns zu einer Zweitveröffentlichung im Web.

 

Das größte Wunder

Eine Mahnung, die erinnern soll, sich
nicht in psychische Phänomene, Anfälle von Verzückung
oder in Wunder zu verstricken. Mißinterpretiere ihr Auftreten
nicht als einen Beweis, dass du irgendetwas erreicht hättest. Es
gibt nichts zu erreichen. Sei einfach normal und genieße es.
(übersetzt aus Sufis: The People of the Path, Vol 1)

Es gab einmal einen Zen-Meister namens
Rinzai, und man erzählt sich folgende Geschichte: „Einer
seiner Schüler führte eine Unterhaltung mit dem Schüler
eines anderen religiösen Meisters, und der sagte: Mein Meister
ist ein Mann der Wunder. Er kann alles tun, was er will. Ich habe
viele seiner Wunder mit eigenen Augen gesehen. Was gibt es
Großartiges über deinen Meister zu berichten? Welche
Wunder vollbringt er?' Und der Schüler von Rinzai antwortete:
'Das größte Wunder, das mein Meister vollbringt, ist,
keine Wunder zu tun.'" (übersetzt aus: Rajneesh, Neo Tarot)

Auf diese Geschichte stieß ich,
nachdem mir eine Frau namens Beate, die ich aus verschiedenen
Seminaren kannte, folgendes erzählt hatte: Sie war nach Indien
zu Sai Baba gefahren. Sai Baba ist ein bekannter indischer Guru, der
Asche, goldene Uhren, Siegelringe etc. manifestieren kann. Er hat
eine große Anhängerschaft, die ihn als eine Inkarnation
Gottes verehrt. In seinem Ashram befindet sich ein Baum, unter den
sich seine Anhänger setzen können, wenn sie einen Wunsch
haben. Besagte Bekannte hatte einen Wunsch, den Sai Baba „schlecht
aus dem Ärmel schütteln konnte", sie wünschte
sich ein Haus für sich und ihr Kind, das auch Platz für
ihre therapeutische Arbeit bieten würde. Ihre jetzige Wohnung
war ihr gekündigt worden. Also setzte sie sich in Südindien
unter Sai Babas Wunderbaum und dachte an ihren Wunsch. Kaum war sie
nach Freiburg zurückgekehrt, wurde ihr ein Haus mit Garten zu
einem Spottmietpreis angeboten.

Ehrlich gesagt, ich war baff. Dass Sai
Baba Asche, Uhren und Ringe hervor zaubern konnte, war mir bekannt,
aber jetzt ganze Häuser, und das in Freiburg, wo jedermann
günstige Wohnungen oder ein Haus sucht – unglaublich.

 

Diese Neuigkeit traf mich umso mehr,
als ich gerade selber mit einer Freundin für uns und unsere
Kinder auf Haussuche war, und die war bisher recht mühselig und
erfolglos verlaufen. Um es ganz deutlich zu sagen: Ich begann mir die
Frage zu stellen, ob ich eigentlich den richtigen Meister hatte? Mein
Meister hatte mir noch nie etwas gezaubert oder irgendwie das Leben
leichter gemacht – im Gegenteil, ich machte die Erfahrung von
Trennung und Auflösung und Chaos. Alles bisher Geschaffene,
seien es Überzeugungen oder auf der materiellen Ebene unser
kleiner Hof im ost-friesischen Hochmoor, den ich zusammen mit meinem
damaligen Mann bewirtschaftete und wo unser Kind zur Welt gekommen
war, und, und, und … Alles war in Frage gestellt oder hatte sich
aufgelöst.

Jetzt wollte ich auch etwas haben.
Alles was ich bekommen hatte, waren Turbulenzen jeglicher Art.
Sannyasin zu sein, hatte mir viel Bewegung und Veränderung
beschert: Ortswechsel, Berufswechsel, Auflösung der Beziehung.
Ich fand, dass ich für mein inneres Wachstum viel aufgegeben
hatte. Frei nach Janis Joplin: „Freedom is just another word for
nothing left to loose." (Freiheit ist nur ein anderes Wort
dafür, nichts zu verlieren zu haben.)

Zugegeben, die Erlebnisse und die
Stimmungen, die ich damit erlebt hatte, hatten mir ekstatische
Momente beschert und eine enorme Sprengkraft in meinem Leben
entfaltet. Aber jetzt wollte ich auch ein schönes Haus mit
Garten, pflegeleicht, geräumig und leicht zu bezahlen. Beate
hatte sich einfach den besseren Meister ausgesucht, den
Zaubermeister.

„Und was gibt es Großartiges
über deinen Meister zu berichten? Welche Wunder vollbringt er?"

In meinen Ohren hallte die Aufforderung
meines Meisters: „Geh nach innen und sei Zeuge." Wunderbar,
nun war ich gerade Zeuge meines Neides. „Meditation heißt,
aus den Gedanken, den Wünschen herauszukommen. Meditation heißt,
sich in der Gegenwart zu entspannen." (Osho: Das Orangene Buch).
Na prima, sowieso nicht zu erreichen – Gedankenlosigkeit,
Wunschlosigkeit – welcher Normal-Sterbliche bekommt das hin?

Ich war auf dem besten Weg in einer
meine „Lieblingssackgassen" zu stolpern: die
Sich-mit-anderen-vergleichen-denen-es-viel-besser-geht-Sackgasse.
Und die hieß gerade so: Dieser Sai Baba hatte der Beate doch
glatt ein Haus herbei gezaubert, und was tat meiner für mich?!
Ich hatte ihm zwar nicht mein ganzes Geld abgeliefert, wie es die
Bildzeitung gerne behauptete, aber dafür war mein
klein-alternatives Leben total auf den Kopf gestellt worden. Wieso
funktioniert Spiritualität nicht nach dem Belohnungsprinzip?
Hatte ich denn nicht viel aufgegeben?! Oder hatte ich in meinen
vergangenen Leben soviel schlechtes Karma angehäuft?

Die Haussuche ging dann so weiter, dass
ich – für spirituelle Grübeleien (sprich Übel-nehmen)
– keine Zeit hatte, weil uns der Vermieter im Nacken saß und
… ich mit meiner Freundin ein Haus nach Wunsch fand: groß
genug für uns alle, mit Garten und preiswert. Mit dem kleinen
Unterschied, dass wir es aus eigener Kraft „herbeigezaubert"
haben.

Jahre später machte ich eine
ähnliche Erfahrung auf einem anderen Gebiet, in der Heilkunst
Reiki. Die Gemeinsamkeit liegt darin, dass es sich hier auch um eine
spirituelle Disziplin handelt und die mündliche Unterweisung in
dem Verhältnis Meister zu Schüler eine wichtige Rolle
spielt. Inzwischen bin ich seit 1987 als Reiki-Meisterin tätig
und betrachte den Zaubermarkt der „esoterischen Erscheinungen"
mit größerer Gelassenheit. Zumindest versuche ich es. Die
kleine Zen-Erzählung von Rinzai hat über die Jahre für
mich an Bedeutung gewonnen.

Das größte Wunder ist
Einfachheit, unspektakulär zu sein, keine Wunderheilungen zu
versprechen, keine zusätzlichen Symbole und Einweihungen in
seine Reiki-Kurse einzubauen. Zugegeben: Nachdem die Fußeinweihungen
so gut verkauft werden, sogar mit eingetragenem Markenzeichen, dachte
ich ernsthaft über Ohreinweihungen nach. Ist doch das Ohr wie
die Fußsohle eingeteilt in Reflexzonen, somit würde ich
den ganzen Körper erreichen, „Hände auf die Ohren" –
eine Position für eine Ganzkörperbehandlung, wenn das nicht
zeitsparend und damit zeitgemäß ist. Die Lauscher würden
auf die kosmische Schwingung eingestimmt, und der Ohreingeweihte
könnte die feinstofflichen Urklänge direkt empfangen und
den Gesprächen in höhere Sphären aufgestiegener
Meister lauschen. Er hätte sein Ohr am Puls der Zeit. Alles
inklusive, ohne extra Workshops buchen zu müssen – durch
Ohren-Reiki!

Im März diesen Jahres habe ich ein
Tagesseminar mit Phyllis Lei Furumoto organisiert, in dem sie über
das Usui-System der Reiki-Heilung gesprochen hat. Die Absicht dieser
Veranstaltung war, über „Reiki im Usui-System" im Jahr
1996 Klarheit zu bekommen – so wie es von Phyllis Lei Furumoto, der
Großmeisterin und Trägerin dieser spirituellen Linie
definiert und praktiziert wird. Es existieren inzwischen unzählige
Reiki-Linien mit sehr individuellen Interpretationen. Viele
Reiki-Praktizierende wissen oft gar nicht, dass sie längst etwas
anderes als Reiki im Sinne des Usui-System ausüben.

In der Vorbereitungszeit bekam ich
einige interessante Anrufe: So vernahm ich mit Staunen, dass eine
indische Reiki-Linie existiert. Ein Inder – ich nehme an, er ist als
Reiki-Meister eingeweiht – hat aus dem fernen Indien ein zusätzliches
Symbol mitgebracht, welches als Meistersymbol gehandelt wird. Es
fühlt sich so herrlich an, schwärmte mir eine Anruferin
vor, das hätte sie bisher mit den „Reiki-Usui-Symbolen"
noch nicht erlebt. So was nennt man auch „bliss attack" (etwa
zu übersetzen mit: plötzlicher Anfall von himmlischer
Verzückung) und kostet so um die DM 2.000,-. Inzwischen ist das
indische Symbol bis an die deutsche Weinstraße vorgedrungen.
Wenn es denn die Öchsle hebt!

Die größte Herausforderung
im Zeitalter der Superstars, der Mega-Erkenntnisse, der Super-,
Super-, Super-Einweihungen ist: Einfachheit. Einfach die Hände
auflegen und Reiki fließen lassen. „Sei einfach normal und
genieße es!"

Phyllis Lei Furumoto sagt: „Die
Symbole und die Einweihungen sind ein Teil der Form des Usui-Systems.
Sie stehen im Kontext mit den anderen neun Elementen und erhalten
durch das Zusammenwirken mit den anderen Elementen Sinn und Kraft.
Sie unterstützen sich gegenseitig. Aus dem Kontext gerissen sind
sie lediglich unverbundene Geschehnisse." – just a bliss attack.

„Was gibt es Großartiges über
deinen Meister zu berichten? Welche Wunder vollbringt er?" Und
der Schüler von Rinzai antwortet: „Das
größte Wunder, welches mein Meister tun kann, ist, keine
Wunder zu vollbringen.“

 

Literaturtipps

Rajneesh, Baghwan: Neo Tarot, Rajneesh
Foundation, Oregon, USA
OshoShree Rajneesh: Sufis-ThePeopleofthe Path.Vol. 1,
Poona, India

 

 

Mit freundlicher Genehmigung von Krishna Kloers (siehe Autorenliste), Reiki-Meisterin in Freiburg.

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  1. Ähnliches steht auch schon über den Propheten Elia geschrieben:
    (frei erinnert)
    “Der HERR aber war nicht in diesem Sturm!
    Nach dem Sturm kam ein Erdbeben, aber der HERR war nicht im Erdbeben!
    Nach dem Erbeben folgte ein Feuer, aber der HERR war nicht im Feuer!
    Nach dem Feuer hörte Elia das leise Säuseln eines Windhauches:
    Als Elia das hörte, verhüllte er sein Gesicht mit seinem Mantel. Er ging hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle. Eine Stimme sprach ihn an: „Was machst du hier, Elia?“

    Viele Grüße,
    Christian von =http://www.Heilkraft.net]Heilkraft.net

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