Dodo hat geschrieben:Hmmmm......
erschaffen wir Götter, einfach indem wir an sie glauben?
Jeder könnte sich also seinen eigenen Gott basteln, der dann ganz genau so ist, wie der "Gläubige" es gerne möchte? Und der "existiert" dann und handelt ganz im Sinne des Gläubigen? Hätte der Gläubige dann nicht "Macht" über diesen Gott? Könnte er ihn "töten" in dem er einfach nicht mehr an ihn glaubt?
Wow - das wirft eine Menge Fragen auf und bietet endlosen Diskussionsstoff
Erschienen im GarudaverlagMatthias S. Harmann hat geschrieben:Vom großen und vom kleinen Gott
Im alten Mütterchen Russland wurde vor einigen hundert Jahren eine christlich-orthodoxe Mission zu einem weit abgelegenen, kleinen Volksstamm geschickt. Es hieß, die Menschen dort hingen einem heidnischen Glauben an, und sie seien deswegen zu bekehren.
Die ausgewählten Missionare waren allesamt gewaltige Prediger und hochkarätige Theologen, erfahren in Diskussion, Gespräch und religiösem Disputieren. Ihre Boten hatten diesen Volksstamm, kurz vor dem Eintreffen der Gruppe dort, von dem Besuch rechtzeitig informiert, so dass die Missionare ehrenvoll und mit Respekt vom Vorsteher und Führer dieses Volks empfangen wurden.
Man setzte sich bei Tee und heißem Wasser zusammen, und es wurde ein köstliches Essen gereicht. Alles schien ordentlich, sauber, wohlgeordnet. Die Heiden erschienen den Missionaren sehr kultiviert, wenngleich sie wohl auch recht kindlich in ihrem Denken schienen; man würde es also mit der Bekehrung recht einfach haben.
Dem Vorsteher und den Dorfbewohnern erklärten sie, dass alles, was sie zum Leben hätten und brauchten, von dem allmächtigen Gott käme. Der sei sehr groß, und um seiner Fürsorge und Liebe teilhaftig zu werden, müsse man ihn demütig verehren, ihm Kirchen, Kapellen, Altäre bauen, wo man Gott andächtig loben und preisen könne. Sie hätten festgestellt, dass dieses Volk keine Bauten für Gott habe und es sei wahrlich ein Wunder, wie dieser Stamm bisher überhaupt habe leben und existieren können.
Die einfachen Leute hörten aufmerksam und wie gebannt den Theologen zu, nicht zuletzt deswegen, weil deren Stimmen so merkwürdig laut in ihren Ohren klangen. Ja, beinahe hätten sie sich bei den wortgewaltigen Lobpreisungen geängstigt, wäre da nicht in sanftes Lächeln bei ihrem Vorsteher gewesen.
Schließlich sprach dieser leise, aber sehr bestimmt: „Wir freuen uns, Euch als unsere Gäste hier zu wissen, die von sehr fern gekommen sind. Wir schätzen uns glücklich darüber, dass auch Ihr einen Gott habt und diesen verehrt.“
Verwundert sahen die Missionare einander an, denn Hinweise auf eine Gottesverehrung hatten sie bis dahin nicht vernommen. „Aber unser Gott“, so fuhr der Mann fort, „ist anders als Eurer; er ist ein kleiner Gott. Er vermag nicht viel, er ist sehr schwach und hilflos. Deswegen pflegen wir unsere Äcker, säen und ernten Getreide, und geben ihm davon ab. Dafür ist er uns dankbar. Und indem wir so für ihn sorgen, erhalten wir ihn am Leben, von Generation zu Generation. Und dafür bleibt er bei uns, fühlt sich beschützt, und, soweit er vermag, schützt er uns. Warum sollten wir unseren kleinen Gott verreiben und uns Eurem großen Gott unterwerfen, wo wir doch, seit wir zurückdenken können, ein gutes Leben führen? Unser Gott begnügt sich mit dem, war wir ihm geben. Er beansprucht keine Bauten, keine Altäre, und doch gibt er uns. Wir danken für Euren Besuch, aber Ihr werdet verstehen, dass wir einen Schwachen nicht sich selbst überlassen können.“
Die Missionare verließen diesen Ort schweigend. Als sie zu Hause angekommen Bericht erstatteten, war man entsetzt darüber, dass der Allmächtige soviel Lästerliches hatte zulassen können; sicher war ihm ein Fehler in der Schöpfung unterlaufen. So wurden Soldaten zu den Heiden geschickt, die dieses Volk unterwarfen und in Fronarbeit nahmen; ihr Glaube wurde ihnen genommen. Aber noch viele Jahrhundert später erinnern sich Menschen in vielen anderen Ländern an diese Geschichte vom kleinen Gott.
in
Dann bitte eine Schale Tee,
mit seiner freundlichen Erlaubnis zur verwendung
Dodo, du bist dran
